Verstehen statt verurteilen – oder hat es möglicherweise nichts mit mir zu tun?!

Verstehen statt verurteilen – oder hat es möglicherweise nichts mit mir zu tun?!

Situationsbeschreibung

Paul liegt während des Unterrichts mit dem Kopf auf dem Tisch. Lehrpersonen/Pädagog*innen könnten sich durch
ein solches Verhalten provoziert fühlen oder an der Anstrengungsbereitschaft von Paul zweifeln.

Systemische Prämissen

  • Jedes Verhalten ist subjektiv sinnvoll, auch wenn der „gute Grund“ nicht immer direkt ersichtlich ist.
  • Wahrnehmung ist nicht gleich Wahrgebung.
  • Jedes Verhalten eines Menschen hat Einfluss auf das Denken, Fühlen und Verhalten eines anderen Menschen.

Systemische Handlungs­möglichkeiten

Anstatt mit Sanktionen / Konsequenzen zu reagieren, hilft eine systemische Perspektive durch die Übernahme verschiedener Sichtweisen konstruktiv mit der Situation umzugehen und den Fokus zunächst auf
das ganzheitliche Erfassen und nicht das Bewerten zu legen.

Systemische Hypothesen, d. h. vorläufige Annahmen über Interaktionen, Beziehungen und Wechselwirkungen, bilden eine gute Basis zu ergründen, was möglicherweise hinter dem Handeln der Schüler*innen steckt. Hypothesen sind im Prozess immer wieder zu prüfen, denn „es könnte auch alles ganz anders sein“.

Beispiel:

  1. Beobachtung: Ich sehe, dass Paul den Kopf auf den Tisch legt und die Augen schließt.
  2. Hypothese zur Einordnung: Möglicherweise geht es Paul heute nicht gut und er schafft es nicht, dies zu verbalisieren.
  3. Anregung:
    • Selbstreflexion: Wenn ich nichts mit Pauls Verhalten zu tun haben würde, was ändert sich an meinen Gefühlen?
    • Es könnte hilfreich sein, Paul anzusprechen und ihm Worte für sein Verhalten anzubieten (z. B.: Müdigkeit, Erschöpfung, Streit).
    • Paul könnte in die Lösung der aktuellen Situation einbezogen werden durch Fragen und die Benennung verschiedener Optionen, z. B.:
    • „Wäre für Dich jetzt hilfreich, wenn wir das Fenster aufmachen/wenn Du eine Runde draußen läufst/Du jetzt nach Hause gehst und den Stoff nachholst oder was wäre es?“
    • Es könnte auch hilfreich sein, der Situation mit Gelassenheit zu begegnen und Paul erst zu einem späteren Zeitpunkt anzusprechen.